10 Punkte für einen besseren Hitzeschutz im Saarland
Die Klimakrise als Resultat des menschengemachten Klimawandels ist längst auch im Saarland spürbar und zwar immer intensiver. Immer häufigere und längere Hitzewellen belasten die Menschen und stellen Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. In Saarbrücken-Burbach wurde mit über 41 Grad ein neuer saarländischer Hitzerekord geknackt. Besonders von dieser Hitze betroffen sind Senior:innen, Kinder, Schwangere, chronisch kranke Menschen sowie Menschen, die im Freien arbeiten. Hitzeschutz ist deshalb keine Frage des Komforts, sondern des Gesundheitsschutzes und einer Politik mit sozialem Anspruch. Besonders deutlich werden die Folgen der Klimakrise nämlich gerade in von Armut betroffenen Stadtteilen und Quartieren. Dort fehlen häufig Grünflächen und schattige Aufenthaltsorte, während dichte Bebauung und versiegelte Flächen die Hitze zusätzlich verstärken, siehe Burbacher Markt. Gleichzeitig haben viele Menschen dort nicht die Möglichkeit, sich durch klimatisierte Räume oder einen Garten vor der Hitze zu schützen. Hitzeschutz ist deshalb eine Klassenfrage. Gerade in sozial benachteiligten Quartieren müssen Hitzeschutzmaßnahmen gezielt ausgebaut werden, damit alle Menschen – unabhängig von ihrem Einkommen – wirksam vor den Folgen extremer Hitze geschützt werden.
Wer besonders unter den Folgen extremer Hitze leidet, muss auch besonders geschützt werden.
Die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung und der Kommunen reichen dafür nicht aus. Ein neuer Trinkwasserspender pro Stadtteil wie in Saarbrücken sind zwar sinnvoll, sie lösen das Problem jedoch nicht. Das Saarland braucht eine umfassende Strategie für klimafeste Städte und Gemeinden und eine stärkere Unterstützung der Kommunen. Dazu gehören für uns vor allem die folgenden 10 Punkte:
1. Städte und Gemeinden endlich finanziell stärken
Die Anpassung an die Folgen der Klimakrise ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Der mangelnde Hitzeschutz führt uns wieder vor Augen: Städte und Gemeinden können den notwendigen Umbau ihrer Infrastruktur nicht allein finanzieren. Das Land muss deutlich mehr Fördermittel für Klimaanpassungsmaßnahmen bereitstellen und sich zugleich für eine grundlegende Entschuldung der Kommunen einsetzen. Nur finanziell handlungsfähige Kommunen können wirksamen Hitzeschutz umsetzen.
2. Ein Landesprogramm für klimafeste Städte und Gemeinden
Das Saarland braucht ein Gesamtkonzept zur Klimaanpassung. Straßen, Plätze und öffentliche Räume müssen so gestaltet werden, dass sie Hitze besser abfedern und die Lebensqualität erhöhen. Klimaanpassung darf nicht länger nur aus einzelnen Maßnahmen bestehen, sondern muss strategisch geplant und dauerhaft finanziert werden.
3. Mehr Begrünung im öffentlichen Raum
Straßen, Plätze, Schulhöfe und Aufenthaltsflächen sollen durch Bepflanzungen und Bäume spürbar abgekühlt werden. Auch Dächer, Fassaden, Parkplätze, Verkehrsinseln und Spielplätze sollen konsequent begrünt und ressourcenschonend gestaltet werden. Begrünte Städte verbessern das Stadtklima, fördern die Artenvielfalt und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Um die Begrünung umzusetzen braucht es auch mehr verkehrsberuhigte Zonen in den Innenstädten. Bepflanzung darf keine temporäre Einzelmaßnahme willkürlich ausgerufener „Sommerstraßen“ sein. Urban Gardening muss ermöglicht und mehr gefördert werden.
4. Mehr Schatten und öffentliche Trinkwasserversorgung
Beschattungssysteme wie Pergolen, Sonnensegel und zusätzliche Bäume müssen im öffentlichen Raum deutlich ausgebaut werden, vor allem über Fußgängerzonen. Kostenfreie Trinkwasserspender gehören ebenfalls dazu und leisten einen wichtigen Beitrag zur gesundheitlichen Vorsorge. Sie dürfen jedoch nicht als Ersatz für eine umfassende Hitzeschutzstrategie dienen. Einzelne Wasserspender allein lösen die zunehmende Hitzebelastung nicht. Spielplätze müssen mit schattenspendenden Einrichtungen bestückt werden und auch mehr Spielmöglichkeiten mit kühlendem Wasser bieten.
5. Parks, Grünzüge und Stadtwälder ausbauen
Parks, Grünzüge, Stadtwälder und kleinere Biotope wirken als natürliche Klimaanlagen. Sie senken die Temperaturen in den Städten, verbessern die Luftqualität, fördern die Biodiversität und schaffen wohnortnahe Erholungsräume. Gleichzeitig dienen sie als natürliche Wasserspeicher bei Starkregen und stärken die Widerstandsfähigkeit unserer Städte gegenüber den Folgen der Klimakrise. Große Parkanlagen wie der Deutsch-Französische Garten müssen mit einer sinnvollen Gesamtstrategie weg kommen von riesigen freien Rasenflächen die im Hitzesommer kaum zureichend bewässert werden hin zu einer abwechslungsreichen Bepflanzung.
6. Schulen und Kitas hitzeresilient gestalten
Die Klimakrise stellt auch unsere Schulen und Kitas vor neue Herausforderungen. Überhitzte Klassen- und Gruppenräume verunmöglichen konzentriertes Lernen und belasten Schüler:innen sowie pädagogische Fachkräfte gesundheitlich. Deshalb müssen Schulgebäude und Kitas konsequent hitzeresilient gestaltet werden. Dazu gehören außenliegender Sonnenschutz, begrünte Höfe und Fassaden, verschattete Aufenthaltsbereiche, eine bessere Dämmung sowie moderne Lüftungs- und Kühlsysteme. Wo sinnvoll, sollen Dachbegrünungen, Photovoltaik und Geothermie zur klimaneutralen Energieversorgung genutzt werden. Falls das nicht gewährleistet werden kann, muss der „Hitzefrei“-Erlass zurückgenommen werden! Kein Kind kann bei 40 Grad nachhaltig spielen oder lernen.
7. Klimafeste öffentliche Gebäude
Auch Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Verwaltungsgebäude müssen an die steigenden Temperaturen priorisiert angepasst werden. Öffentliche Gebäude müssen energetisch saniert, begrünt und mit klimaschonenden Technologien ausgestattet werden, um Menschen auch während extremer Hitze zu schützen.
8. Freibäder dauerhaft erhalten
Freibäder sind gerade in heißen Sommern ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie bieten Menschen aller Altersgruppen eine Möglichkeit zur Abkühlung, fördern Gesundheit und ermöglichen soziale Teilhabe. Deshalb müssen alle Freibäder im Saarland dauerhaft erhalten, modernisiert und finanziell abgesichert werden. Wir setzen auf ein landesweites Bäder-Abo nach Berliner Vorbild, das den uneingeschränkten Zugang zu allen öffentlichen Hallen- und Freibädern ermöglicht. Das Abo sorgt gleichzeitig für planbare, stabile Einnahmen für die Bäder, erleichtert Investitionen in Wartung, Modernisierung und Energiesparmaßnahmen und reduziert den Verwaltungsaufwand durch Einzelkassen.
9. Klimaneutrale Energie für klimafeste Infrastruktur
Die Versorgung öffentlicher Gebäude und Einrichtungen soll konsequent auf regenerative Energien umgestellt werden. Photovoltaik, Geothermie und andere erneuerbare Energien können dazu beitragen, Lüftungs- und Kühlsysteme klimaneutral zu betreiben und gleichzeitig Energiekosten zu senken.
10. Hitzeschutz als Bestandteil jeder kommunalen Planung
Bei allen zukünftigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen muss Hitzeschutz von Anfang an mitgedacht werden. Klimafeste Städte entstehen durch Entsiegelung, Begrünung, Beschattung und eine nachhaltige Stadtplanung. Ziel muss es sein, die Lebensqualität zu erhöhen und die Menschen im Saarland wirksam vor den Folgen zunehmender Hitzewellen zu schützen.
Unser Ziel: Hitzeschutz ist eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gerade ältere Menschen, Schwangere, Kinder und gesundheitlich vorbelastete Menschen brauchen Städte und Gemeinden, die auch während extremer Hitze lebenswert bleiben. Dafür braucht es eine langfristige Strategie, ausreichend finanzierte Kommunen und ein Land, das Verantwortung übernimmt, statt sich auf einzelne Symbolmaßnahmen zu beschränken.










