Kassensitze statt Kürzungen - psychotherapeutische Versorgung verbessern statt Notstände verschärfen!

Angesichts der Kürzungen bei der Vergütung von Psychotherapie fordert die Linke Saar von Bund und Land eine sofortige Beanstandung des Beschlusses der GKV-Spitzenverbände sowie die Schaffung einer solidarisch finanzierten psychotherapeutischen Versorgungslandschaft, die keine:n zurücklässt. Anlass ist die am 11.03. durch den erweiterten Bewertungsausschuss der Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenkassen beschlossene Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Gesprächsleistungen um 4,5% ab dem 1. April 2026, die alle im Saarland kassenzugelassenen Behandler:innen und Patient:innen hart trifft. 

Dazu Rebecca Boukari, Beisitzerin im Landesvorstand der Linken Saar:
„Die Kürzungen bei der Psychotherapie sind ein Schlag ins Gesicht für Alle, die bereits jetzt monatelang auf einen Therapieplatz warten müssen, und insbesondere auch ein Schlag ins Gesicht aller Psychotherapeut:innen, die seit Jahren einem längst nicht mehr zu bewältigenden Bedarf gegenüber stehen und sich trotzdem täglich bemühen, in einem kaputten System so viele Menschen wie möglich zu versorgen.“

Bereits vor der jetzt beschlossenen Kürzung betrug die Vergütung von psychotherapeutischen Leistungen nur die Hälfte von der Vergütung vergleichbarer anderer kassenärztlicher Behandlungen. Als Inflationsausgleich hätten die Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenversicherung dringend eine Anhebung der Vergütung beschließen müssen. Dass nun bei der Psychotherapie gespart werden soll, die nur 1% der Ausgaben der GKV ausmacht, während sie Folgekosten in Milliardenhöhe einspart, zeigt, dass die Debatte völlig entkoppelt vom Wohl der Menschen und auch in ihrer vermeintlichen Wirtschaftlichkeit vollkommen verirrt ist. Alarmierend ist auch, dass nach den Hebammen nun erneut in einem Gesundheitsberuf gespart werden soll, in dem hauptsächlich Frauen arbeiten, die ohnehin schon viel unbezahlte Care-Arbeit leisten.

"Psychische Gesundheit ist keine Ware, sondern unabdingbare Grundversorgung und gerade in Krisenzeiten eine tragende Säule der Gesellschaft! Um sie zu gewährleisten, brauchen wir dringend mehr Kassensitze, eine stabile staatliche Finanzierung der Psychotherapie-Weiterbildung und gesetzlich zugesichert mehr Geld für Psychotherapeut:innen!“, fordert Boukari.
Um die Verdienstausfälle zu kompensieren, werden viele Psychotherapeut:innen einen Teil ihrer Kapazitäten  mit Einkünften durch Selbstzahler:innen ausbessern müssen, womit sich der Versorgungsengpass für gesetzlich Versicherte noch gravierend verschärfen wird.
Die Kosten langer Wartezeiten sind dabei nicht nur für die Betroffenen psychischer Erkrankungen und ihr soziales Umfeld massiv lebenseinschränkend und gefährlich, sondern haben auch für die Gesellschaft verheerende wirtschaftliche und soziale Folgen. 

Boukari abschließend: „Jeder Euro, der in psychische Gesundheit investiert wird, zahlt sich für die Gesellschaft dreifach aus. Statt Sparzwänge im Gesundheitssektor brauchen wir ein solidarisches Gesundheitssystem, das den Bedarfen aller Menschen dient! Weg mit der Beitragsbemessungsgrenze und der Zweiklassenmedizin! Wir als Linke unterstützen die Proteste gegen diese Maßnahmen ausdrücklich."

 

Wir unterstützen die geplanten Proteste am 29.03.2026 um 11 Uhr auf dem Landwehrplatz in Saarbrücken.