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Reisebericht

 

Alle Jahre wieder? Ja, immer zum Fahrplanwechsel veranstaltete die Peter-Imandt-Gesellschaft und der Saarbrücker Bundestagsabgeordnete Thomas Lutze ihren jährlichen Bahntest durch die Großregion. Von Saarbrücken geht es nach Metz, von dort nach Luxemburg und dann zurück über Trier ins Saarland. Unter den 16 Reisenden waren auch Genossinnen und Genossen aus Frankreich und Luxemburg mit dabei.

 

Los ging es mit einer Kleinigkeit: Am Saarbrücker Hauptbahnhof hängt eine große Anzeigetafel, auf der auch unserer Zug 9:26 Uhr nach Forbach angezeigt war. Aber auch ein Zug 9:03 nach Paris über Forbach, mit dem zusätzlichen Hinweis: „nächster Halt Kaiserslautern“. Geht schlecht, also hin zum „Infopoint“. Dort alles ganz freundlich und stressfrei und nach 5 min war der Fehler nicht mehr auf der Tafel. Als die ersten Mitreisenden eintrudelten, kam auch Klaus Ernst (MdB) in die Bahnhofshalle. Er hatte am Vorabend eine Lesung im Bildstocker Rechtschutzsaal und wir machten spontan mit ihm Fotos mit unserem „Wir sind Bahn“-Banner. Er hatte auch Zeit, sein ICE Richtung Frankfurt hatte 15 Minuten Verspätung.

 

Der Start dann pünktlich Richtung Metz. Bei Einsteigen wurde deutlich, dass auch moderne Fahrzeugtechnik und neue Bahnsteige nicht zusammen passen müssen. Ca. 25 ca. Höhenunterschied hätten einen Rollstuhlfahrer ausgebremst. Mehr als peinlich. Und in Forbach muss man Umsteigen. Zwar passte hier die Bahnsteighöhe, aber nicht die Spannungsart. Das Umsteigen wurde notwendig, weil der moderne franz. Doppelstockzug nicht zum deutschen Bahnstrom passt. Deshalb wurden die ersten 10 km zwar unter Fahrdraht, aber mit Dieselantrieb bewältigt.

 

In Metz angekommen, die nächste Überraschung – allerdings eine positive. Zwei Genossinnen der franz. Linken empfingen uns mit Fahnen und Glühwein. Perfekt. Die Wartezeit von 40 Minuten verflog ebenso schnell, wie sich die Thermosflaschen leerten. Im nächsten Doppelstockzug nach Luxemburg dann die Ernüchterung: Alles voll mit Reisenden, Sitzplätze Fehlanzeige.

 

In Luxemburg stand die Genossen von Dei Lenk auch am Bahnsteig, allerdings ohne Glühwein. Aber mit der Ansage, dass im gegenüberliegenden Gewerkschaftshaus ein Mittagessen serviert werde. Ein Rollstuhlfahrer wäre allerdings – im Gegensatz zu Metz-Ville – kläglich gescheitert. Die Bahnsteigkante passte wieder nicht zur Tür des Zuges. Und der Lift in entgegengesetzter Richtung zum Bahnhofsgebäude war außer Betrieb, so dass die ca. 40 Stufen selbst Fremdhilfen zum Scheitern gebracht hätten.

 

Bei den luxemburger Freunden entwickelte sich eine angeregte Debatte zur Bahnpolitik und zu Arbeitnehmerfragen im Verkehrswesen. Geschildert wurde u.a., dass eine Bahnstrecke nach Lüttich/Belgien von der Stilllegung bedroht ist. Die Diskussion wurde nach einer runden dreiviertel Stunde durch das Servieren des köstlichen Hühnerfrikassees je unterbrochen.

 

15.15 Uhr ging es weiter mit einem Regionalexpress – in Wahrheit eine rustikale BR428-Garnitur aus den Siebzigern – Richtung Trier. Gemütlich war es auf jeden Fall. Als es aber richtig gemütlich wurde, machte Patric Bies, unser Reiseorganisator der Rosa-Luxemburg-Stiftung den Vorschlag, bereits in Karthaus auszusteigen und dort in die Regionalbahn nach Saarbrücken umzusteigen, die wir in Trier nicht mehr erwischen würden. So bekamen alle Reisenden einen Eindruck von einem Bahnhof, bei dem das Wort Trostlosigkeit eine maßlose Untertreibung darstellen würde. Es hätte bei diesem fast schon nostalgisch anmutenden Ambiente nur noch gefehlt, das es per Dampflok nach Hause geht.

 

Diese Lok (CFL 5519, ex DR 42 2718) wiederum stand nebst luxemburgischen Traditionszug auf Bahnsteig 3 des Saarbrücker Hauptbahnhofs und startete nachdem wir tolle Fotos gemacht hatten. Einfach nur schön - und Pech für alle, die bereits in Merzig, Beckingen, Saarlouis und Völklingen ausgestiegen waren.

 

8. Dezember 2012, Thomas Lutze

Bahnexkursion SaarLorLux-Trier 2012