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Interview in der Saarbrücker Zeitung: „Wir liegen nicht mit der Atomlobby im Bett“

Ex-Linksparteichef Oskar Lafontaine sieht gute Chancen für seine Partei bei den bevorstehenden Landtagswahlen Mit Spannung blicken die Parteien auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Ihre Spitzenpolitiker standen der SZ Rede und Antwort. Heute Teil 3: Oskar Lafontaine, Ex-Vorsitzender der Linken und Linksfraktionschef im Saar-Landtag. Mit ihm sprach Stefan Vetter.

Herr Lafontaine, die japanische Atom-Katastrophe könnte den Grünen bei den aktuellen Landtagswahlkämpfen in die Hände spielen. Ihrer Partei auch?

Lafontaine: Grüne und SPD stehen nicht für den zügigen Ausstieg aus der Atomenergie, sondern für den Atomkompromiss mit der Wirtschaft mit kürzeren Laufzeiten. Beide Parteien werden im Gegensatz zu uns auch von der Wirtschaft finanziert. Nur die Linke kann eine umweltgerechte Energiepolitik ohne falsche Rücksichtnahme auf die Wirtschaft formulieren. Wenn das bei den Leuten ankommt, werden sie uns in die Landtage wählen.

Bei dem Thema wirken die Linken aber eher wie Trittbrettfahrer. Als Anti-AKW-Bewegung sind sie jedenfalls noch nicht in Erscheinung getreten.

Lafontaine: Die Linke besteht erst seit gut drei Jahren. Ich selbst habe schon in den 1980er Jahren zu den Sprechern der Anti-Kernkraftbewegung gehört. Wir können einen zügigen Ausstieg aus der Kernkraft glaubwürdig vertreten, weil wir auch nicht mit der Energiewirtschaft verbandelt sind.

In Sachsen-Anhalt lag die Linke laut Umfragen lange Zeit klar vor der SPD. Nun kippt offenbar der Trend. Wie erklären Sie sich das?

Lafontaine: Eine denkbare Erklärung ist die Erfahrung, die unsere Partei schon im Saarland gemacht hat, nämlich, dass die Linke in Umfragen oft unter Wert gehandelt wird.

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz muss die Linke um den Einzug in die Landtage bangen. Welche Folgen hätte es für die Bundespartei, wenn sie dort unter der Fünf-Prozent-Marke bliebe?

Lafontaine: Wir haben gute Chancen, in beiden Parlamenten vertreten zu sein. Wenn der Einzug gelingt, wäre das ein Riesenerfolg für die Linke, die jetzt schon in 13 Landtagen vertreten ist. Wenn wir knapp scheitern, geht die Welt auch nicht unter. Auch FDP und Grüne waren über Jahre in vielen Landtagen nicht vertreten. Allerdings wäre in den Landtagen von Mainz und Stuttgart dann keine Partei vertreten, die gegen Hartz IV, gegen Rentenkürzungen und gegen eine Kriegsbeteiligung in Afghanistan kämpft. Die Sozialabbauparteien wären unter sich.

Die SPD in Baden-Württemberg zieht auch ein rot-rot-grünes Bündnis in Betracht. Wie glaubwürdig ist das für Sie?

Lafontaine: In Baden-Württemberg ist ein Regierungswechsel nur sicher, wenn die Linke in den Landtag kommt. Ich halte das Angebot für Rot-Rot-Grün deshalb für glaubwürdig, weil die Sozialdemokraten – siehe Hessen und Nordrhein-Westfalen – keine guten Erfahrungen gemacht haben, vor Wahlen eine Zusammenarbeit mit der Linken auszuschließen. Gerade für eine neue Energiepolitik wird die Linke in Baden-Württemberg gebraucht, weil sie nicht mit der Atomlobby im Bett liegt.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Lafontaine: Ich hatte Glück. Ich habe den Krebs wahrscheinlich überwunden.

Werden Sie noch einmal auf die bundespolitische Bühne zurückkehren?

Lafontaine: Ich bin auf der bundespolitischen Bühne, weil ich in den Wahlkämpfen aktiv bin. Darüber hinausgehende Ambitionen habe ich nicht.