Gedanken zum 100. Weltfrauentag am 8. März
"Bread and Roses". Das ist der Titel eines Protestliedes von Textilarbeiterinnen in Lawrence/Massachusetts im Jahr 1912. 14000 Frauen sangen es, während sie streikten. Ein Streik der sich unter anderem gegen Hungerlöhne und Kinderarbeit richtete. Sie kämpften um das nackte Überleben. Um das Recht auf Arbeit. Um gerechten Lohn. Um das Recht auf Selbstverwirklichung. Und doch forderten sie noch viel mehr. „Brot und Rosen.“ Nicht nur den Anspruch auf Arbeit und Brot, sondern auch auf das „Schöne“ im Leben. Kulturelle Teilhabe. Freiheit. Toleranz. Menschenwürde. Die Rose als Metapher.
Es war bereits zwei Jahre zuvor, als Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Konferenz der Sozialistischen Frauen in Kopenhagen für Ihr Idee eines weltweiten Frauentages warb. Seit1889 trat sie öffentlich für die Rechte der Frauen ein.
Und welche Bedeutung hat der Tag heute? Im Jahr 2011? Er sollte genutzt werden, um verstärkt und intensiv bereits erstrittene Erfolge als Beweis der eigenen gesellschaftgestaltenden Kraft der Frauen herauszustreichen. Aber es gilt auch nach wie vor die lange Liste der Missstände anzuprangern. Große Aufgaben stehen der Frauenbewegung auch heute noch bevor, denn Armut trägt weiterhin feminine Züge, jede dritte vollzeitbeschäftigte Frau arbeitet zu Niedriglöhnen, bei der Gleichbezahlung der Geschlechter gehört Deutschland weiterhin zu den Schlusslichtern in Europa, in Vorstandsetagen der Wirtschaft herrscht eine 97-Prozent-Männerquote und selbst jugendliche Frauen werden weiterhin in die althergebrachten Strukturen gepresst. Traditionell weibliche Ausbildungsberufe werden geringer vergütet, Überstunden seltener entlohnt, selbst bei der Mitsprache bei der Festlegung des Urlaubszeitpunktes werden sie häufig zur Seite gedrängt. Diese Reproduktion der ökonomischen Ungleichbehandlung von Frauen muss hundert Jahre nach Einführung des Kampftages der globalen Frauenbewegung endgültig politisch beseitigt werden.
Der Kampf geht also weiter. Fordern wir auch heute „Brot und Rosen“! Lasst und vehement und konsequent streiten für die Gleichberechtigung auf allen nur denkbaren Ebenen. 100 Jahre danach muss die Frau beginnen, sich zu Ende zu befreien.
Yvonne Ploetz, MdB