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Interview mit Stephan Peter aus Saarbrücken, neues Mitglied seit Anfang Januar 2012.


Herzlich willkommen in unserer Partei. Wie ist Dein erster Eindruck?

Ich hab' Grund zu danken. Es ist ein herzlicher Empfang. Ich war auf verschiedenen Parteiveranstaltungen, z.B. dem Neujahrsempfang „50 Jahre Luisenthal“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung Saar. Der Saal war voll. Ein Hauch der alten Arbeiterbewegung, wie ich sie als Kind in Dillingen erlebte. Ein Stück Heimat.

Du warst mehrere Jahre in den USA und dort auch politisch sehr aktiv. Auch wenn die politische Linke dort nicht derart bedeutend ist, gibt es Anregungen und Dinge, die auch hierzulande übernommen werden könnten?

Seit Ronald Reagan in den frühen 1980er Jahren ist das Land immer konservativer geworden. Obama wird von Rechten als Sozialist verschriehen, dabei ist seine Wirtschafts- und Sozialpolitik wahrscheinlich rechts von Nixon. Der Fundamentalismus ist sehr groß, ich meine Marktfundamentalismus. Aber viele Junge interessieren sich für demokratischen Sozialismus. Sie sind einfach neugierig. Die Occupy-Wall-Street Bewegung, die Solidarische Ökonomie, die Kooperativen, ein Demokratieverständnis, für das „community“, also Gemeinsinn, wichtig bleiben, finde ich auch für uns spannend. Wenn wir hier über Mitarbeiterbeteiligung, Integration von Ausländern oder Wutbürgern reden, gibt es viel Ähnlichkeit zu dem, was sich in den Staaten tut.

Die soziale Frage spielt für die Wahrnehmung der Linken die größte Rolle. Sollte sich die Partei stärker darauf konzentrieren oder ist es sinnvoller, sich auch in anderen Politikfeldern einen Namen zu machen?

Wer die Brutalität der sozialen Verhältnisse erlebt hat, denen die Armen in U.S.A. ausgesetzt sind, für den ist klar, die soziale Frage bleibt zentral. Denn auch bei uns klafft die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Wir folgen den USA nach, verstärkt nach der Aera Schröder/ Müntefering. Und keine Änderung ist in Sicht. Demokratie in der Wirtschaft und dem Finanzsektor? Fehlanzeige. Was andere Politikfelder angeht, so kann die soziale Perspektive ja viel im Blick haben. Solange jeden Tag fast 20.000 Kinder in der Welt an Hunger sterben, muss man auch über's Saarland hinausdenken. Und Umwelt ist wichtig, denn das Ökologische wird schnell zum Sozialen. Nach Hurricane Katrina ging es in New Orleans bald um Fragen wie Obdachlosigkeit, Armut, Kriminalität, usw. Bei uns ist die erneuerbare Energie jetzt zwar in der Mitte der Gesellschaft angekommen, aber wie wird das sozial organisiert. Gibt es Chancen für kommunale Stadtwerke, Bürger-Genossenschaften, Beteiligung. Das ist ein Thema für die Linke, die Grünen greifen das kaum auf.

Angenommen, Du dürftest einen Tag Bundesvorsitzender sein. Was würdest Du ganz dringend verbessern?

Also, mit der inhaltlichen Ausrichtung der Partei bin ich zufrieden. Deshalb bin ich auch dabei. Nach 25 Jahren im Ausland bin ich auch sicher, dass es in der westlichen Welt dauerhaft Raum links der immer konservativeren Sozialdemokratie gibt. Als Vorsitzender würde ich darüber nachdenken, wie Jüngere, gerade auch jüngere Frauen, für die Partei zu gewinnen sind. Aber das würde ich natürlich zuerst mit meinem anderen ostdeutschen Vorsitzenden absprechen. Das Team Gysi/Lafontaine war doch cool.