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19. August 2009

„Oskar, du musst Kanzler werden“

In seiner Heimat wird Oskar Lafontaine noch immer verehrt. Viele würden ihn gern erneut zum Ministerpräsidenten wählen. Seine Popularität könnte für das erste rot-rote Bündnis in Westdeutschland sorgen.

Der Mann, ein älterer Herr, umarmt ihn. Drückt seine Hand. Flüstert ihm ins Ohr, klopft ihm auf den Rücken und strahlt: „Oskar, du musst Kanzler werden.“ Oskar Lafontaine lächelt, nickt und schüttelt die noch einmal dargebotene Hand. An seinem Hals sieht man die Narbe vom Attentat von 1990, aber Lafontaine fürchtet hier wenig. Nicht hier, in seinem Saarland, nicht jetzt, im Wahlkampf: „Machemer en Bildschen“, sagt Lafontaine, und ehe er sich versieht, hat der Fan in der Hand ein Polaroidbild mit Autogramm, das ihn mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten zeigt.

Noch zwölf Tage, dann wird im Saarland der Landtag neu gewählt. Die Wahl gilt als wichtiger Test für die Bundestagswahl - vor allem für SPD und Linke, die dringend ein gutes Signal brauchen. 20 plus x, das ist das Ziel der Linken, und dann eine Koalition, das ist der Traum. Es scheint erreichbar - letzte Umfragen sahen die Partei bei 18 Prozent. Die SPD unter Heiko Maas hat sich nach einem Tief von 23 Prozent auf 27 Prozent berappelt. Legt die Linke zu, könnte es vielleicht auch mithilfe der Grünen reichen, um die schwarz-gelbe Mehrheit zu knacken.

Lafontaine wird geschätzt in Saarbrücken. Die 14 Jahre Amtszeit als Ministerpräsident und die neun Jahre als Oberbürgermeister sind vielen hier noch in Erinnerung. Kein Passant, der sich gegen die kumpelige Annäherung des Linken wehrt. „Ich fühle mich ihm verbunden“, sagt Eduardo Balmaceda, ein junger Mann, „er steht mir auf jeden Fall näher als Peter Müller“, mit Blick auf den CDU-Ministerpräsidenten. „Der Oskar, wieder auf Stimmenfang“, seufzen die Friseusen nachsichtig und freuen sich doch, wenn er ihnen zuwinkt.

Lafontaine genießt die Popularität, die Nähe, die er in Berlin nicht hat. Und er nutzt sie: Statt mühsame Wahlveranstaltungen zu organisieren, beschränkt er sich auf Besuche von Volksfesten oder Märkten. Die Hälfte der 20 Prozent, sagt er selbstbewusst, seien ihm und nicht der Partei zu verdanken.

„Ich kandidiere als Ministerpräsident“, sagt Lafontaine. Und lobt zugleich SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas. Dieser, den er einst als SPD-Talent gefördert hat, habe im Wahlkampf "an Statur gewonnen", das Verhältnis habe sich „entkrampft“. Allerdings hat die neue, vorsichtige Freundschaft Grenzen: Maas schließt eine Rolle als Junior in einer Linken-Regierung aus, und auch die Grünen wollen Lafontaine nicht zum Ministerpräsidenten wählen.

Maike Rademaker (Financial Times Deutschland)