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11. April 2011

Stolperstein-Initiative der LINKEN:

Auf Initiative der LINKEN in Gersheim verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig vier sogenannte "Stolpersteine" in der Gemeinde. Das Interesse an der Aktion, mit der an Gersheimer Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden soll, war groß.

Die heutige Gemeinde Gersheim war in der Nazi-Zeit kein weißer Fleck auf der Landkarte. Die Gräueltaten der Nationalsozialisten sind seit vergangenem Samstag mit der Verlegung von sogenannten "Stolpersteinen" auch in der Bliestalgemeinde sichtbar und mit Namen verbunden. Der Kölner Bildhauer und Künstler Gunter Demnig, der in den letzten Jahren bereits über 27 000 dieser kleinformatigen Mahnmale verlegt hat, setzte vier dieser Steine in Niedergailbach und in Gersheim ein. Das Interesse war groß, als Demnig am Samstagvormittag in der Oberen Straße 10 in Niedergailbach den ersten "Stolperstein" einbrachte und so an das Schicksal von Maria Anna erinnerte. Nachdenklich und betroffen machten die erschütternden Aussagen des Zeitzeugen Edwin Anna, dem Neffen der Ermordeten.

Der heute 77-jährige Niedergailbacher, der im Geburtshaus von Maria Anna wohnt, kann sich noch gut an das Schicksal seiner Tante erinnern. Als sechsjähriger Bub hat er miterlebt, wie seine Tante väterlicherseits am 28. August 1939 von den Nazis abgeholt worden war. Maria Anna lebte mit einer Behinderung, ihr rechter Arm war gelähmt, und sie war deswegen denunziert worden. An diesem Tag, so Edwin Anna, habe ein Bus unten in der Hauptstraße gestanden, mit dem sei seine Tante in das "Sanatorium" Schönebeck an der Elbe gefahren wurde. Acht bis zehn Tage später habe sein Vater Nikolaus Anna die Nachricht erhalten, Maria Anna sei im "Sanatorium" an einer Lungenentzündung gestorben.

Sein Vater sei direkt nach der Todesnachricht nach Schönebeck gefahren, habe jedoch nur noch ein Massengrab vorgefunden, wo die Schwester unter einer Nummer beerdigt worden war.

Für Maria Anna, Opfer des Euthanasie-Programms der Hitler-Diktatur, und alle weiteren Ermordeten sprachen Pfarrer Günter Broy und die Anwesenden Gebete, ehe sie in Stille verharrten und somit ihren Respekt und ihr Mitgefühl bekundeten.

Auch in Gersheim verlegte Demnig die Mahnmale, deren Messingoberfläche die Namen und das Schicksal der dort einst wohnhaften Menschen enthält. Mit einem Stein vor dem Anwesen Hauptstraße 40 wird künftig die Erinnerung an Charles Wust wachgehalten, der politisch verfolgt wurde und 1942 im Konzentrationslager Dachau ermordet worden war. Zwei "Stolpersteine" weisen in der Hauptstraße 22 auf die Brüder Simon und Josef Löb hin, die für ihren jüdischen Glauben ihr Leben lassen mussten. Simon Löb wurde 1938 ermordet, Josef Löb starb 1941 im französischen Lager Recebedou. Nach der Verlegung der "Stolpersteine" fand in Spohns Haus eine Gedenkfeier statt.

Isa Schäfer von den LINKEN in der Gemeinde Gersheim, verlas dabei noch vier weitere Namen von Bürgern aus Herbitzheim und Seyweiler. Bei der Feier, die musikalisch von Hans Bollinger umrahmt wurde, erinnerte Gersheims Bürgermeister Alexander Rubeck daran, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht irgendwo im Reich, sondern direkt vor der Haustür begonnen und auch stattgefunden hatten.